Bei Wind fotografieren

Landschaftsfotografie bei stürmischem Wetter mit einer Lenticularis Wolke.

Landschaftsfotografie bei stürmischem Wetter

Beim Fotografieren von Landschaften treffen wir auf verschiedene Herausforderungen. Eine davon, die vom Fotografen sowohl Geschick als auch Geduld verlangt, ist zweifellos windiges oder gar stürmisches Wetter.
Hier einige Tipps, wie Sie Ihre Bilder selbst bei starkem Wind scharf bekommen:

Oft erinnere ich mich an diesen mystischen Moment in Patagonien zurück. Es war ein Ereignis, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Ich denke, wir Menschen suchen oft etwas Mystisches in unserem Leben, egal ob in der Musik, in Landschaften oder eben in der Landschaftsfotografie. Etwas Magisches gibt uns Raum, in welchem wir uns verlieren können. In welchem sich unsere Gedanken von der Realität ablenken können. Eine Wanderung in einem herbstlichen, nebelverhangenen Wald oder eben dieser einzigartige Moment im stürmischen Patagonien. Wobei mystisch-pompös bestimmt ein treffenderer Ausdruck als mystisch für dieses Ereignis ist:

Am Tag zuvor war ich zur Laguna Torre aufgestiegen, denn ich wollte am darauffolgenden Morgen den Cerro Torre bei Sonnenaufgang fotografieren.
Nun sitze ich die ganze Nacht wach im Schlafsack. Der Starkwind peitscht schon seit Stunden Sand auf mein Zelt. An Einschlafen ist nicht zu denken, stattdessen stütze ich im Sitzen die Zeltstangen, um sie vor Bruch zu schützen.
Eigentlich war ich aufgestiegen um den Cerro Torre zu fotografieren, den Berg der Berge, doch das Wetter macht mir einen Strich durch die Rechnung. Als es am Morgen hell wird und ich einen Blick aus dem Innenzelt wage, sehe ich, dass all mein Material, das ich im Vorzelt gelagert habe, mit weißem Sand überzogen ist. Nein, das war keine gemütliche Nacht.
Unter widrigen Bedingungen packe ich mein Equipment und verstaue es in meinem Rucksack. Bei meinem Abstieg nach El Chaltén fegt der patagonische Wind dermaßen erbarmungslos, dass ich zum Teil nur robbend weiter komme. Nach Stunden komme ich ausgebrannt im Hotel an, wo ich mich etwas erholen und mein Foto-Equipment wieder in Schwung bringen kann.
Doch dabei möchte ich es nicht belassen und ganz und gar nicht aufgeben, sondern nach einer alternativen Fotomöglichkeit suchen. Es ist immer noch Nacht, weit vor Sonnenaufgang, als ich aus dem Fenster blicke und feststelle, dass der Himmel überwiegend wolkenfrei ist. Stürmisch ist es nach wie vor.
Ich verstaue mein Foto-Equipment in meinen Rucksack und ich suche im Dunkeln einen Fotospot auf, welchen ich einige Tage zuvor kennen gelernt habe und welcher sich lediglich ein paar Kilometer vor El Chaltén befindet. Zeitlich gesehen, bin ich früh genug am Standort, denn bis zum Sonnenaufgang dauert es mindestens noch 20 Minuten. Ich befestige im Wind meine Kamera auf dem Stativ und warte. Wenige Minuten später erlebe ich einen einmaligen Moment in Patagonien.

Um es vorwegzunehmen: Das Bild von oben mit der überdimensionierten Lenticularis-Wolke ist scharf und zwar bis in die Ecken.

Welche Technik ich für dieses Landschaftsfoto anwendete, möchte ich nun kurz beschreiben:

–       Suchen Sie einen möglichst windgeschützten Standort.
Zunächst suchte ich einen „windgeschützten“ Standort auf. Hierfür reicht meist eine kleine Erhebung bzw. ein Hügel in der Landschaft. Hilfreich ist es, wenn Sie zunächst bei verschiedenen Stellen, im Abstand von einigen Metern, den Wind fühlen und erst anschließend das Stativ am Boden abstellen. Wobei „windgeschützt“ nicht bedeutet, dass es nun nicht mehr windet, vielmehr trifft der Wind etwas abgeschwächt auf die Kamera bzw. auf das Stativ.

–       Suchen Sie einen festen Untergrund für Ihr Stativ.
Der Untergrund für das Stativ war bei der Aufnahme steinig, was die Stabilität förderte. Noch idealer wäre ein felsiger Untergrund gewesen.

–       Verwenden Sie ein sehr stabiles Stativ.
Ich verwendete bei der oberen Aufnahme ein Gitzo-Stativ, das generell eine sehr gute Stabilität aufweist.

–       Arbeiten Sie bodennah und ziehen Sie die Stativbeine nur kurz aus.
Die Stativbeine hatte ich nur zum Teil ausgezogen, um möglichst bodennah zu arbeiten und um ein „Zittern“ zu reduzieren.

–       Verwenden Sie Ihr Stativ ohne Mittelsäule.
Die Mittelsäule verwende ich grundsätzlich nicht, das heißt, ich habe sie vom Stativ abgeschraubt, was der Stabilität zugutekommt.

–       Beschweren Sie Ihr Stativ.
Bei meinem Stativ befindet sich an der Basis ein Haken (auch ohne Mittelsäule). An diesem Haken befestige ich stets meinen Rucksack, um das Stativ zu beschweren. Allerdings darf der Rucksack nicht im Wind schaukeln, denn das würde lediglich zu unscharfen Bildern führen. Hier hilft es, wenn ich meinen Rucksack an zwei Stativbeinen mit dem Hüftgurt des Rucksacks eng befestige.

–       Verwenden Sie keinen Schultergurt.
Den Schultergurt hatte ich – wie üblich – nicht auf der Kamera, denn dieser hätte im Wind wie ein Segel gewirkt und die Kamera noch mehr zum Schütteln gebracht.

–       Setzen Sie Ihren Körper als Windschutz ein.
Mein Körper diente als Windschutz. Ich stellte mich daher so hin, dass der Wind nicht direkt auf die Kamera treffen konnte.

–       Fotografieren Sie bei Windpausen.
Bitte beachten Sie den Wind beim Fotografieren exakt, denn selbst wenn der Wind anscheinend kontinuierlich bläst, gibt es zwischendurch immer wieder kurze Windpausen. So auch bei der Aufnahme von oben. Ich fotografierte daher mehrere Bilder und ich wartete vor allem diese „kurzen“ Windpausen für ein Foto ab. Bei den Pausen handelt es sich vielleicht um eine bis einige Sekunden. Danach bläst der Wind wieder ständig.

 

Kameratechnik:

–       Verwenden Sie die Spiegelvorauslösung und einen Fernauslöser.
Die Spiegelvorauslösung und den Fernauslöser verwende ich immer, wenn ich beim Fotografieren ein Stativ verwende, so auch damals bei der Aufnahme in Patagonien.

–       Verwenden Sie hochwertige Objektive.
Obwohl die ersten Sonnenstrahlen sowohl die riesige Linsenwolke als auch die Berge Cerro Torre und Fitz Roy rot aufleuchteten, war es immer noch ziemlich dunkel. Ich benötigte jedoch eine einigermaßen „schnelle“ Verschlusszeit. Dank der Verwendung meines „Tilt-Shift“ Objektivs, 24mm (f/3.5D ED PC-E NIKKOR) und dessen Mittelformat-Bildkreis reichte ein Abblenden auf f/9.5 um auch die Ecken scharf zu bekommen. Diese – für Landschaftsfotos – relativ weit geöffnete Blende, führte zu einer schnelleren Verschlusszeit. Gleichzeitig verwendete ich einen höheren ISO-Wert von 640, was ebenfalls die Verschlusszeit begünstigte. Trotzdem betrug die Verschlusszeit immer noch eine halbe Sekunde, was bei windigem Wetter eigentlich lange ist.

–      Drücken Sie mehrmals auf den Auslöser, sodass sich die Chance für scharfe Fotos erhöht.
Als ich später die Bilder auf dem Bildschirm meines Computers betrachtete, stellte ich fest, dass mehrere Aufnahmen scharf waren. Das Bild war geglückt.

 

Zum Schluss gibt es noch einen Tipp zum Naturphänomen Linsenwolken: Um Lenticularis-Wolken zu fotografieren ist es nicht zwingend nötig nach Patagonien zu reisen, denn bei Fönwetter in den Alpen gibt es ebenso häufig das Naturereignis Linsenwolken, die meist zu einer gewissen Mystik und vor allem zu einer pompösen Dramatik im Bild führen.

 

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